Etappe 06.07.2026

Liebe Ingrid,

                                                                                       6. Juli 2026

ich danke dir vielmals für deine  ausführliche Antwort vom 29.6.2026. Sie hat mich so beschäftigt, dass ich heute einfach hier am Bach beim Lehrstuhl für Naturphilosophie sitzen geblieben bin und dir diese Zeilen in das Wandertagebuch schreibe:

„Die Unsicherheit verschwand 2019 nicht deshalb, weil man h genauer gemessen hatte, sondern weil sein Zahlenwert im Internationalen Einheitensystem (SI) per Definition exakt festgelegt wurde. Die Messunsicherheit liegt seither nicht mehr bei h, sondern bei der „praktischen Realisierung“ des Kilogramms.“

Diese Worte haben mich zum Nachdenken gebracht, denn ich habe nicht gewusst, dass das „UR-KILOGRAMM“ ausgedient hat und dass sich diese Maßeinheit seit 2019 über die Planck-Konstante definiert.

Der Grund war, dass dieser vier Zentimeter kleine Zylinder aus Platin und Iridium, der seit 1889 unter drei Glasglocken in einem Tresor in Paris steht, immer leichter wird – und zwar 50 Millionstel Gramm in 100 Jahren. (d.s.  0,00000005%) – für den Fortbestand der Menschheit wohl kaum von Bedeutung, für den Fortbestand der Wissenschaft sehr wohl.

„Es könne sein, dass sich Stoffe, wie beispielsweise Wasserstoff, ausgegast haben und dies zu Veränderungen beim Gewicht geführt habe.“ gibt Prof. Frank Härtig, Leiter der Physikal-Technischen Bundesanstalt (PTB) als eine der möglichen Ursachen für den Gewichtsverlust an.

Mit diesen Worten bestätigt sich auch meine Sichtweise, dass selbst dieses UR-KILOGRAMM eine Masse, eine Geschwindigkeit, einen Stoffwechsel und eine Frequenz haben musste.

Dein Hinweis auf deinen ehemaligen Professor Aspelmeyer hat mich an seine Aussage erinnert: „Was vor allem fehlt, ist ein konsistentes Weltbild, das zu diesen Ergebnissen passt. Das ist eine Aufforderung an die Philosophie.“[1] Ich stelle dir gerne meinen Lehrstuhl für Naturphilosophie zur Verfügung, damit du im Rahmen deiner Arbeit als Physikdidaktikerin klären kannst, wie so ein „konsistentes Weltbild“ im Sinne von Herrn Prof. Aspelmeyer ausschauen könnte.

Deine Worte: „Immer wieder hat sich gezeigt, dass Größen, die zunächst als fundamental galten, später als Ausdruck tiefer liegender Zusammenhänge verstanden werden konnten“ haben mich besonders berührt, zumal ich nicht verstehen kann, warum die Gleichung E=mּvּּλf  bisher keine Bedeutung spielt, obwohl das Produkt Joule ergibt.

Wohl nicht nur ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in der Natur keine Konstante gibt. In der theoretischen Physik mögen sie ja ihre Berechtigung haben, aber „DIE ULTIMATIVE RICHTERIN IST DIE NATUR“ hat Prof. Zeilinger anlässlich der Eröffnung der Salzburger Festspiele im Jahr 2023 gesagt. WIE WAHR!

Ich danke dir nochmals für deine wunderbare Antwort. Du gehörst für mich zu den wenigen Menschen, die um die Bedeutung des Wortes „responsibility  (= ability to respond)  noch Bescheid wissen.

Mit ganz lieben Grüßen

[1] Die Presse 25.06.2026 Interview mit Karl Gaulhofer